Rückschlag für ABDA-KBV-Modell

(iss) Weil viele Ärzte Bedenken gegen das KBV-ABDA-Modell hegen, will die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) nun ein eigenes Konzept zum Medikamentenmanagement testen. Darin soll der Arzt die tragende Rolle übernehmen.

(c) Dron / fotolia.com

Bis vor kurzem galt die Region als aussichtsreicher Anwärter für ein gemeinsames Pilotprojekt von Ärzten und Apothekern. Auf der Vertreterversammlung in Dortmund kündigte der KVWL-Vorsitzende Dr. Wolfgang-Axel Dryden am vergangenen Wochenende aber die Vereinbarung eines Modellversuchs mit den Krankenkassen an. Dieser hat die Erhöhung der Patientensicherheit und eine bessere Mittelverwendung in der Arzneimittelversorgung zum Ziel und vergütet die Ärzte für ihre zusätzlichen Leistungen angemessen. Nur wenn eine solche Vereinbarung nicht zügig zustande komme, werde sich die KVWL um die Teilnahme am Modellversuch zum ABDA-KBV-Konzept zur Arzneimittelversorgung bewerben, bei dem der Arzt den Wirkstoff verschreibt und der Apotheker das konkrete Fertigarzneimittel auswählt. So wie der Modellversuch zum KBV-ABDA-Konzept jetzt im Gesetz verankert ist, halte er ihn nur für die Ultima Ratio, betonte Dryden.

Innerhalb der Ärzteschaft gebe es gegen das KBV-ABDA-Konzept vor allem Kritik wegen der vorgesehenen Rolle der Apotheker. „Arzneimittelmanagement ist eine ärztliche Aufgabe und setzt unter anderem die Kenntnis der Indikation für eine Therapieform voraus." Das arztgestützte Arzneimittelmanagement greife die Bedenken auf. Es gebe bereits entsprechende Verträge, beispielsweise der Knappschaft, sagte der KVWL-Chef. Die Knappschaft zahle den Ärzten 60 Euro für das Arzneimittelmanagement. Der Nachteil liege aber darin, dass die Kassen die Patienten auswählen. Dryden schwebt dagegen vor, dass die Auswahl in den Praxen anhand bestimmter Kriterien erfolgt, wie die Krankenhaus-Entlassung oder das Auftreten einer neuen medikamentös zu behandelnden chronischen Erkrankung. Das arztgestützte Arzneimittelmanagement habe für die Kassen den Vorteil, dass es besser mit ihren Rabattverträgen vereinbar sei als das KBV-ABDA-Modell, sagte Dryden. Seiner Einschätzung nach könnten die Eckpunkte einer Vereinbarung innerhalb von sechs bis acht Wochen stehen, der Modellversuch könnte am 1.Juli oder spätestens am 1. Oktober beginnen.

14.02.12

Quelle: Ärzte Zeitung

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