Anatomie und Physiologie: Haare
Fast der gesamte Körper, rund 96 Prozent seiner Oberfläche, ist behaart – nur Handteller und Fußsohlen nicht. Die Haare und die Hautdrüsen gehören zusammen mit den Finger- und Fußnägeln zu den Hautanhangsgebilden, auch Hautanhangsorgane genannt.
Das Haar besteht aus der Hornsubstanz Keratin: einem Eiweiß mit einem hohen Gehalt an der Aminosäure Lysin (20 %). Der aus der Haut herausragende – mit bloßem Auge sichtbare – Abschnitt ist der Haarschaft. Der in der Haut befindliche Abschnitt ist die Haarwurzel, die sich nach unten zur Haarzwiebel (Bulbus) verdickt.
Jede Haarwurzel wird von einem Haarfollikel umschlossen, der eine Einstülpung der Oberhaut (Epidermis) ist. Die Haarfollikel reichen bis in die Lederhaut (Dermis, Kutis), manchmal auch bis in das Unterhautfettgewebe (Subkutis).
Der dreiphasige Haarzyklus
Das Kopfhaar sowie das Haar von Augenbrauen und Achselhöhlen werden unter dem Oberbegriff Terminalhaar zusammengefasst. Ein Terminalhaar ist lang, dick und pigmentiert. Sein Wachstum und seine Erneuerung werden von der Aktivität der Haarfollikel bestimmt. Ein einziger Haarfollikel produziert im Laufe des Lebens 20 bis 25 Haare, deren jeweilige Lebensdauer mehrere Jahre umfasst. Vom Entstehen bis zum Ausfallen durchläuft ein Terminalhaar drei Phasen.
Haarwachstum in der Anagenphase
Das Haarwachstum erfolgt durch Teilung der Matrixzellen der Haarwurzel. Diese erhält dafür Nährstoffe und Sauerstoff über die Haarpapille, in die feine Blutgefäße münden. Die Wachstumsphase (Anagenphase) dauert zwei bis sechs Jahre. Rund 85 Prozent der Kopfhaare befinden sich in dieser Phase. Ein Anagenhaar wächst monatlich etwa zwölf bis 25 Millimeter. Es ist fest im Haarfollikel verankert und kann nur mit „Gewalt“ (z. B. Herausziehen) entfernt werden.
Haarausfall in der Telogenphase
Der Anagenphase folgt die Übergangsphase (Katagenphase), die lediglich ein bis zwei Wochen dauert und in der sich rund ein Prozent der Kopfhaare befinden. In dieser Phase hört das Haar auf zu wachsen und verliert allmählich seinen festen Halt im Haarfollikel.
Zum Schluss kommt es in die Ruhephase (Telogenphase) und wird durch ein nachwachsendes neues Haar verdrängt. Es fällt aus: entweder von allein oder beim Waschen oder Kämmen. Die Ruhephase, in der sich rund 14 Prozent der Kopfhaare befinden, dauert rund drei Monate.
Talgdrüsen
Talg ist eine Mischung aus Fetten, Eiweißen, Cholesterin und Elektrolyten. Er hält Haut und Haare glatt und geschmeidig. Die Talgdrüsen (Glandulae sebaceae) sind in der Lederhaut angesiedelt.
Dr. Ute Koch
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 01/2012 auf Seite 74 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
