Interaktionen: Statine und Calciumantagonisten

Unsere Serie „Interaktionen“ bekommt ab dieser Ausgabe von DAS PTA MAGAZIN einen neuen Schwerpunkt: Wir wollen uns zukünftig mit Wechselwirkungen zwischen Medikamenten beschäftigen, die gemeinsam auf einem Rezept verordnet wurden. Als erstes Beispiel stellen wir die Interaktion zwischen dem Cholesterinsenker Simvastatin und dem Calciumantagonisten Diltiazem vor.

Simvastatin ist ein Cholesterol-Synthese-Enzym-Hemmer (CSE-Hemmer, Statin) und wird unter anderem Patienten mit erhöhten Cholesterinspiegeln (Hypercholesterinämie) verordnet. Diltiazem gehört zur Gruppe der Calcium-Kanal-Blocker. Der Arzneistoff ist zur Behandlung des hohen Blutdrucks (Hypertonie) sowie verschiedener Formen der koronaren Herzkrankheit (z. B. Angina pectoris) zugelassen.

Die Ausgangssituation
Herr Schramm kommt in die Apotheke und legt ein Kassenrezept über Simva-Hennig® 20 Milligramm Filmtabletten und Diltiazem-ratiopharm® 90 Milligramm Retardkapseln vor. Die PTA fragt, ob ihm die Medikamente zum ersten Mal verordnet wurden.

„Nein, mein Arzt hat sie mir schon mehrmals verschrieben. Vom Cholesterinsenker soll ich abends eine Tablette einnehmen, das Blutdruckmittel zweimal täglich“. Routinemäßig überprüft die PTA mithilfe des Interaktionsmoduls der ABDA-Datenbank, ob Wechselwirkungen zwischen beiden Arzneimitteln bekannt sind. Dabei wird folgende Warnung angezeigt: „Erhöhte Inzidenz von Myopathien (Muskelschwund) und Rhabdomyolysen (Auflösung quer gestreifter Muskelfasern) möglich. Überwachung bzw. Anpassung nötig“.

Der Hintergrund
Bei dieser Interaktion handelt es sich um eine pharmakokinetische Interaktion. Zu Wechselwirkungen dieses Typs kommt es auf dem Weg eines Arzneistoffs durch den Körper, beispielsweise bei der Verstoffwechslung (Biotransformation, s. S. 48).

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Simvastatin und Diltiazem werden in der Leber über CYP-3A4, einen Vertreter des Cytochrom P 450-Enzymsystems (CYP-System) verstoffwechselt. Bei gleichzeitiger Anwendung beider Arzneistoffe kommt es zu einer Art Konkurrenzsituation: Diltiazem hemmt die Verstoffwechslung von Simvastatin über CYP-3A4, dabei kann eine erhöhte Plasmakonzentration des Statins auftreten.

Dies führt dazu, dass Nebenwirkungen, die bei einer Monotherapie kaum von Bedeutung sind, mit größerer Wahrscheinlichkeit auftreten, in diesem Fall Myopathien und Rhabdomyolysen.

Erkennbar sind Myopathien vor allem an Muskelschmerzen und -schwäche. Rhabdomyolysen sind mit einer Dunkelfärbung des Urins infolge der Ausscheidung von Myoglobin verbunden, das Muskelgewebe seine rote Farbe verleiht.

Dr. Claudia Bruhn

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 01/2012 auf Seite 71 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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