Beratungstipps: Im Notfall schnell handeln

Kommen besorgte Eltern mit Kindern, die sich einen Zahn verletzt oder versehentlich giftige Substanzen verschluckt haben, in die Apotheke, heißt es für die PTA: Ruhe bewahren und besonnen handeln. Doch neben dem akuten Handeln ist es vor allem die präventive Beratung, mit der das pharmazeutische Personal punkten kann.

© Michael Guttman / istockphoto.com

Vergiftungen kommen gar nicht mal so selten vor. Das dokumentieren exemplarisch Aufzeichnungen der Giftzentrale in Bonn. Rund 30 300 Anrufe gingen dort 2009 ein (Zahlen für 2010 liegen noch nicht vor. Stand Redaktionsschluss 1.12.2011).

Über die Hälfte der Anfragen betrafen Kinder, die unbewusst oder versehentlich giftige Substanzen zu sich genommen hatten: Zwischen einem und sechs Jahren vergifteten sich die Kinder am häufigsten.

Vergiftungen mit Medikamenten wie Psychopharmaka, Analgetika oder Antirheumatika stellten in Bonn mit rund 39 Prozent aller Anrufe die häufigste Ursache dar. Mit rund 18 Prozent folgten Vergiftungen mit Haushaltsmitteln und waschaktiven Substanzen. An dritter Stelle standen mit sieben Prozent Vergiftungen mit Pflanzenteilen wie den Früchten des Gemeinen Goldregens.

Erste Hilfe bei Vergiftungen
Befürchtet ein Kunde die eigene Vergiftung oder die seines Kindes, sind folgende Punkte von der PTA zu beachten: Ruhe bewahren, Risiko einschätzen, jeweils zuständige Giftzentrale (s. Tipp) oder den Notarzt anrufen und eventuell Erste-Hilfe-Maßnahmen (stabile Seitenlage, Herzdruckmassage, Atemhilfe) einleiten.

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Außerdem sollten Betroffene Wasser oder Tee in kleinen Schlucken und Mengen zu trinken bekommen. Bei Säuren- oder Laugenvergiftungen sollte dies so schnell wie möglich erfolgen. Milch ist nicht geeignet, da diese die Resorptionseigenschaften einiger Substanzen verändern kann und in der Folge die Vergiftungserscheinungen nur noch verschlimmert.

Wichtig: Niemals Erbrechen herbeiführen, da ein erneutes Passieren von eventuell ätzenden Substanzen durch Speiseröhre und Magen zu weiteren Schädigungen führen könnte. Der Arzt führt stattdessen eine Magenspülung durch. Wurden giftige Pflanzenteile verschluckt, soll Aktivkohle die Resorption vorhandener Toxine verhindern.

Sind Säuren, Laugen oder Kalk in die Augen gelangt, sind diese sofort für mindestens 15 Minuten unter fließendem Wasser zu spülen. Augenlider dabei gut offen halten. Auch wenn die Haut durch schädliche Substanzen in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist umgehend für mindestens eine Viertelstunde mit klarem Wasser zu spülen. Betroffene Kleidung gehört sofort entfernt. Achtung: Kleidungsstücke gegebenenfalls zerschneiden. Ansonsten könnten beim Ausziehen noch andere Hautareale verätzt werden.

Elke Wolf

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 01/2012 auf Seite 68 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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