Lepra: Krankheit der Armen
Am 29. Januar ist Welt-Lepra-Tag. Er lenkt den Blick auf eine Erkrankung, die aus europäischer Sicht längst ausgerottet scheint. Das ist aber ein Trugschluss: 2009 gab es laut Robert-Koch-Institut noch 244 796 Fälle weltweit. In 16 Ländern der Erde kommt es immer noch aufgrund von Armut und schlechten hygienischen Verhältnissen zu mehr als 1000 Neuerkrankungen im Jahr.
Der Erreger Mycobacterium leprae wurde bereits 1873 vom norwegischen Arzt und Biologen Gerhard Armauer Hansen (1841 – 1912) entdeckt. Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts traten vor allem in Norwegen – hier war um 1860 etwa ein Promille der Bevölkerung betroffen – Island, aber auch in Griechenland, der französischen Provence und den Mittelmeerinseln zahlreiche Leprainfektionen auf.
Während Lepra heute in Europa sehr selten vorkommt – in Deutschland wurden 2010 zwei eingeschleppte Fälle dieser meldepflichtigen Erkrankung registriert – sind heute vor allem Menschen in Indien, Afrika und Brasilien gefährdet.
Hautkontakt fördert Ansteckung
Bestimmte Faktoren, wie Armut, Hunger und schlechte hygienische Verhältnisse, begünstigen das Risiko, zu erkranken. Der Infektionsweg selbst ist bis heute noch immer nicht eindeutig geklärt. Der Grund dafür ist die stark variierende Inkubationszeit von wenigen Monaten bis zu 20 Jahren.
Diskutiert wird heute neben der Tröpfcheninfektion auch der enge Kontakt von Haut zu Haut. Eines ist jedoch klar: Je länger der Kontakt mit schwer an Lepra erkrankten Menschen dauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken.
Bakterien als Verursacher
Der Erreger Mycobacterium leprae ist mit dem Tuberkuloseerreger Mycobacterium tuberculosis eng verwandt. Die säurefesten Stäbchen vermehren sich unbehelligt in den menschlichen Leukozyten (weißen Blutkörperchen). Hier setzen sie sich auch dem Angriff der körpereigenen Lysosomen − an der Abwehr von Fremdstoffen beteiligten Zellen − erfolgreich zur Wehr.
Vermutlich spielt dabei ein bakterieneigenes Enzym, die Proteinkinase G, eine entscheidende Rolle. Weiter gelangt das Bakterium auch in die Nervenzellen. Die Folge hier ist die Zerstörung der Myelinscheiden (Schwann´schen Scheiden) und damit ein Verlust der Impulsweiterleitung.
Dr. Constanze Schäfer
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 01/2012 auf Seite 52 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
