Serie Interaktionen mit neuem Schwerpunkt
Bisher haben wir an dieser Stelle Interaktionen zwischen einem Wirkstoff, den der Kunde in der Selbstmedikation anwenden möchte, und einem Präparat aus seiner Dauermedikation unter die Lupe genommen. Ab Januar 2012 bekommt unsere Serie einen neuen Schwerpunkt: Nun beschäftigen wir uns mit Wechselwirkungen von gemeinsam auf einem Rezept verordneten Medikamenten (S. 71).
Ein unentbehrliches Hilfsmittel zum Aufdecken von Wechselwirkungen ist das Interaktionsmodul der ABDA-Datenbank, das in fast jeder Apotheke verfügbar ist. Nicht nur Apotheker, sondern auch PTA sollten sich damit gut auskennen. Denn dann können sie dazu beitragen, arzneimittelbezogene Probleme mit unter Umständen schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen für den Patienten zu vermeiden.
Hat die PTA mithilfe des Computersystems eine Wechselwirkung zwischen zwei auf einem Rezept gemeinsam verordneten Medikamenten entdeckt, kann sie dies dem Apotheker mitteilen. Dieser muss dann die Relevanz der Interaktion abschätzen. Ob ein Eingreifen notwendig ist, kann er nur im direkten Dialog mit dem Patienten herausfinden. Gegebenenfalls muss Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden.
Wie kommen Wechselwirkungen zustande?
Interaktionen zweier oder mehrerer Arzneistoffe im menschlichen (oder tierischen) Körper werden in pharmakodynamische und pharmakokinetische Wechselwirkungen unterteilt.
Pharmakodynamische Interaktionen
Sie treten auf, wenn zwei gleichzeitig verabreichte Arzneistoffe am selben Rezeptor, Regelkreis oder Organ angreifen und einer den anderen in seiner Wirkung verstärkt oder abschwächt. So können beispielsweise Glukokortikoide die Wirkung von oralen Antidiabetika und Insulin vermindern, weil sie die Glukoneogenese fördern und dadurch den Blutzuckerspiegel erhöhen.
Pharmakokinetische Interaktionen
Dazu kommt es auf dem Weg eines Arzneistoffs durch den Körper, das heißt vor oder während der Aufnahme (Resorption), der Verteilung (Distribution), der Verstoffwechslung (Biotransformation) oder der Ausscheidung (Elimination). So können beispielsweise Aluminium- und Aluminium-Magnesiumverbindungen aus rezeptfreien Antazida mit verschiedenen Antibiotika (z. B. Tetrazycline) Komplexverbindungen bilden, wodurch die antibiotische Wirkung verlorengeht.
System zur Klassifikation der Wechselwirkungen
Zu den Quellen, aus denen die Informationen für das ABDA-Interaktionsmodul geschöpft wurden, zählen die Fachinformationen der Präparate sowie Informationen aus internationalen Fachzeitschriften. Das Modul besitzt ein sechsstufiges Klassifikationssystem, das den Umgang mit den Interaktionen erleichtern soll.
Dr. Claudia Bruhn
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 01/2012 auf Seite 48 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
