Dauerbrenner Harnwegsinfekt
Gut die Hälfte aller Frauen machen im Laufe ihres Lebens eine Harnwegsinfektion durch. Unkomplizierte Krankheitsverläufe lassen sich in der Regel gut im Rahmen der Selbstmedikation behandeln. Informieren Sie sich über Therapie und Prophylaxe dieses Volksleidens sowie die Grenzen der Selbstbehandlung!
Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten in Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken ist alters- und geschlechtsabhängig. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, da ihre Harnröhre kürzer ist.
Mit dem Alter nimmt das Risiko einer Infektion bei beiden Geschlechtern zu, bis es sich mit 60 Jahren angleicht. Der Grund für die altersbedingte Zunahme bei Männern ist eine Prostatavergrößerung und bei Frauen eine Veränderung der vaginalen Flora infolge der hormonellen Umstellungen während der Wechseljahre. Schwangere, Diabetiker und katheterisierte Patienten haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.
Häufig erkranken Betroffene mehrfach in ihrem Leben. Treten mindestens drei Infektionen innerhalb eines Jahres auf, liegt ein rezidivierender Harnwegsinfekt vor. Eine erneute Infektion innerhalb von weniger als zwei Wochen nach erfolgter Therapie wird als Rückfall bezeichnet. In diesem Falle ist davon auszugehen, dass es nicht gelungen ist, den Erreger erfolgreich zu bekämpfen.
Verirrte Bakterien
Der Harntrakt besteht aus Harnblase, Harnröhre, Harnleitern und Nieren. Die Nieren filtern den Harn aus dem Blut, der von dort über den Harnleiter in die Blase fließt. Die Harnblase ist ein muskuläres Hohlorgan, das den Harn nahezu drucklos sammelt. Beim Urinieren wird der Harn über die Harnröhre ausgeschieden.
Die Harnröhre ist bei Männern etwa 20 bis 25 Zentimeter lang. Bei Frauen misst sie nur drei bis vier Zentimeter. Harnwegsinfekte werden durch pathogene Keime im Harntrakt ausgelöst. Am häufigsten ist die Blase betroffen (Blasenentzündung = Cystitis). Rund 80 Prozent der Blasenentzündungen werden durch Escherichia coli ausgelöst.
Dabei handelt es sich um aufsteigende Bakterien aus dem Darmausgang, die über die Harnröhre in die Blase gelangt sind. Dort heften sie sich an die Blasenwand und beschädigen diese. Weitere Bakterien, die Blasenentzündungen auslösen können, sind Staphylococcus saprophyticus und Pseudomonas aeruginosa (hohe Resistenz gegen Antibiotika).
In seltenen Fällen können auch Pilze, Viren und Würmer eine Blasenentzündung hervorrufen. Dringen die Erreger von der Blase aus bis in das Nierenbecken vor, droht eine Nierenbeckenentzündung (Pye lonephritis). Wird diese nicht unverzüglich behandelt, kann es im schlimmsten Falle zu Nierenversagen kommen.
Jana Marent
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 01/2012 auf Seite 36 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
