Beratungsfall des Monats: Hämorrhoiden - Ein ganz sensibles Thema
Vielen Kunden ist es unangenehm, über Beschwerden im Analbereich, die von Jucken über Schmerzen, Nässen, Brennen bis zum Bluten reichen können, zu sprechen. Apotheker und PTA können den Patienten durch eine einfühlsame diskrete Beratung Peinlichkeiten ersparen. Und sie sollten darauf hinweisen, dass die Ursachen von einem Arzt abgeklärt werden müssen, um ernsthafte Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen können, auszuschließen.
Eine unbekannte Kundin, Mitte dreißig, betritt am Samstagmorgen die Apotheke. Frau Löhner, PTA, schaut sie freundlich lächelnd an und fragt: „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“. Die Kundin antwortet: „Geben Sie mir etwas gegen Juckreiz“.
Frau Löhner will wissen: „Ist das Mittel für Sie?“. Nachdem die Kundin dies bejaht hat, fährt die PTA fort: „Da es für Juckreiz ganz unterschiedliche Ursachen gibt, brauche ich noch zusätzliche Informationen, um Ihnen das optimale Mittel zu geben. Wo ist denn die juckende Stelle?“. Die Kundin schaut sich um, ob jemand in der Nähe steht, beugt sich nach vorne und sagt mit leiser Stimme: „Am After“.
Frau Löhner stellt sich im Winkel von 90 Grad neben die Kundin und sagt mit etwas leiserer Stimme: „Beschwerden in diesem Bereich können viele Gründe haben. Haben Sie außer Juckreiz noch weitere Beschwerden? Ich denke an Schmerzen, Bluten, Brennen, Nässen oder ein Fremdkörpergefühl im After?“. Die Kundin erwidert: „Seit kurzem habe ich dieses Jucken, beim Stuhlgang schmerzt es auch, und zweimal hatte ich hellrotes Blut am Toilettenpapier“.
Abklären der Beschwerden
„Die Beschwerden, die Sie schildern, treten bevorzugt nach einer Schwangerschaft und bei Berufen mit sitzender Tätigkeit auf. Trifft davon etwas auf Sie zu?“, will die PTA wissen. „Ja, ich sitze den ganzen Tag am Computer, und dieses schlechte Wetter in den letzten Wochen lockt mich auch nicht raus“.
„Waren Sie mit Ihren Beschwerden schon bei einem Arzt?“, fragt die PTA. Die Kundin antwortet: „Nein, ich wollte erst mal was in der Apotheke holen“. „Haben Sie Probleme mit festem Stuhlgang, sodass Sie fest pressen müssen?“, fragt Frau Löhner die Kundin.
Nachdem diese die Frage bejaht hat, erwidert die PTA: „Viele Ihrer Beschwerden deuten auf harmlose Hämorrhoiden hin, unter denen viele Menschen leiden. Da es aber noch einige andere Ursachen geben kann, die ähnliche Beschwerden hervorrufen, ist es wichtig, dass Sie in der kommenden Woche einen Arzt aufsuchen, um das abklären zu lassen. Ich stelle Ihnen jetzt etwas zusammen, das Ihre Beschwerden bis dahin lindert. Zur Heilung muss die Ursache aber bekannt sein, und dafür ist ein Arzt nötig“.
Die Empfehlung
Die PTA kommt mit drei Packungen zur Kundin: „Ich zeige Ihnen, was Sie alles machen können, und Sie entscheiden, was Sie davon anwenden möchten. Als erstes empfehle ich Ihnen diese Salbe. Sie hat eine lokale betäubende Wirkung (Lidocain-haltig), lindert das Jucken und den Schmerz, und Sie fühlen sich wieder besser. Mit diesen Eichenrinde-Sitzbädern ist Ihre Haut in der Lage, eine besondere Schutzbarriere zu bilden. Sie können so den Juckreiz von einer zweiten Seite her angehen und ausschalten.
Und zu guter Letzt habe ich hier ein Abführmittel mit Macrogol-Pulver. Es sorgt für einen weichen Stuhlgang, erleichtert den Gang zur Toilette und hilft, das feste Pressen zu vermeiden. Der Vorteil dieses Mittels ist, dass der Körper sich nicht daran gewöhnt und ihm keine Mineralien entzogen werden. Mit dieser Kombination sind Sie optimal versorgt“.
Dr. Lieselotte Hartmann | lieselotte.hartmann@googlemail.com
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 01/2012 auf Seite 26 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
