Die Guten sind teurer
Erst vor wenigen Monaten hat Aggressivwerber Media-Saturn seine „Geiz-ist-geil“- und „Ich-bin-doch-nicht-blöd“-Kampagnen abgeschafft, Abstand genommen von Rabattschlachten und Schleuderpreisen und sich selbst eine neue Preispolitik verordnet. Grund der Maßnahme war laut Unternehmenschef Horst Norberg der Zeitgeist – eine neue Denkweise, die die schlicht-schrille Reduktion der Vorteile eines Produktes auf dessen Dumpingpreis nicht mehr hinnehmen will.
Zwar scheint es auf den ersten Blick weit hergeholt, denn was haben Werbefeldzüge von Elektrohändlern mit der Marketingstrategie von Heilberuflern zu tun? Doch können Apotheken von der konstatierten geänderten Sichtweise der Konsumenten durchaus profitieren. Indem sie nicht länger versuchen, mit den Billiganbietern zu konkurrieren, die ihre Produkte vorzugsweise online anbieten. Indem sie sich nicht als Kosten- oder Preisführer im Bewusstsein ihrer Kunden verankern, sondern als Qualitätsführer. Und damit darauf aufmerksam machen, dass diese für die vermeintlich hohen „Apothekenpreise“ mehr bekommen als das nackte Produkt.
Da gilt es, nicht die Preisgünstigkeit in den Fokus zu stellen, sondern die Preiswürdigkeit als generellen Anspruch, der als ausgewogenes Verhältnis von Preis und Leistung zu verstehen ist. Denn solange Apotheken sich als kompetentes Fachgeschäft verstehen und Information und Beratung in den Mittelpunkt ihrer Unternehmenspolitik stellen, müssen sie auf einen angemessenen Preis achten. Das schließt nicht aus, hin und wieder im Rahmen von Aktionen mit Preissenkungen zu überraschen – oder aber mit deutlich hohen Preisen auf den Wert eines Produktes aufmerksam zu machen. Wie das geht, zeigt unser Titelthema.
Herzlichst
Dr. Karin Frese
stellv. Chefredakteurin | karin.frese@springer.com
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 01/2012 auf Seite 3 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
