Zertifizierte Fortbildung: Der Wirkstoff Silodosin

Eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse ist eine sehr häufige Erkrankung bei Männern im höheren Lebensalter. Für die Therapie stehen neben pflanzlichen Substanzen mehrere synthetisch hergestellte Medikamente zur Verfügung, deren Palette sich im vergangenen Jahr um den Wirkstoff Silodosin erweitert hat.

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Unter einer benignen Prostatahyperplasie, kurz auch BPH genannt, versteht man eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Es handelt sich um eine typische Erkrankung des Mannes. Schon ab dem 40. Lebensjahr kann sich die Prostata gutartig vergrößern. Mit zunehmendem Alter sind immer mehr Männer betroffen (ca. 90 Prozent der über 80-Jährigen). Kennzeichnend sind Harnabflussstörungen sowie Harnrückstau, die eine vollständige Blasenentleerung unmöglich machen.

Es gibt verschiedene medikamentöse Möglichkeiten zur Behandlung des Benignen Prostata Syndroms. Je nach Schweregrad können Phytopharmaka, Alpha-Blocker und 5-Alpha-Reduktasehemmer zum Einsatz kommen. Bei dem „neuen“ Wirkstoff Silodosin, der seit Mitte Juni 2010 auf dem deutschen Markt ist, handelt es sich um einen weiteren α1A-Rezeptorantagonisten. Auch er wird wie Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin oder Terazosin zur symptomatischen Behandlung der benignen Prostatahyperplasie (BPH) eingesetzt.

Klinische Pharmakologie

Pharmakodynamik
Silodosin bindet hauptsächlich an α1A-Adrenorezeptoren. Bei diesen handelt es sich um G-Protein-gekoppelte Rezeptoren. Man findet sie vorwiegend in der menschlichen Prostata, in der Harnblase, im Blasenhals, in der Prostatakapsel und in der prostatischen Harnröhre. Durch die Blockade der α1A-Adrenorezeptoren kommt es zur Entspannung der glatten Muskulatur in den entsprechenden Geweben. Somit wird der Blasenauslasswiderstand vermindert und das Wasserlassen erleichtert. Die Folge ist eine Verbesserung der Speicher- (irritativen) und Entleerungs-(obstruktiven) Symptome (Lower urinary tract symptoms, LUTS) einer benignen Prostatahyperplasie. Im kardiovaskulären System befinden sich hauptsächlich α1B-Rezeptoren. Das α1A : α1B-Bindungsverhältnis von Silodosin beträgt 162 :1 und ist somit sehr spezifisch für α1A-Rezeptoren.

Pharmakokinetik
Silodosin folgt in einem Dosisbereich von 0,1 mg bis 48 mg pro Tag einer linearen Pharmakokinetik. Der Wirkstoff wird oral gut resorbiert, jedoch beträgt die absolute Bioverfügbarkeit lediglich 32 Prozent. Silodosin stellt ein Substrat für P-Glycoprotein dar und wird in hohem Maße über das Leberenzym Cytochrom (CYP) 3A4, Alkoholdehydrogenase und Glucuronosyltransferasen metabolisiert. Das Verteilungsvolumen liegt bei 0,81 l/kg und die Plasmaproteinbindung bei 96,6 Prozent.

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Die Verteilung erfolgt nicht in den Blutzellen. Silodosin wird hauptsächlich glucuronidiert. Der Hauptmetabolit, das Glucuronidkonjugat von Silodosin, besitzt eine Halbwertszeit von ca. 24 Stunden, und dessen Plasmakonzentration ist ca. viermal so hoch wie die von Silodosin. Er weist eine Plasmaproteinbindung von 91 Prozent auf. Die Ausscheidung des Hauptmetaboliten erfolgt sowohl über den Urin als auch über den Fäzes.

Dosierung
Die empfohlene Tagesdosis beträgt 8 mg einmal täglich, die in einer Kapsel enthaltene Menge. Bei bestimmten Patienten kann auch mit einer Dosis von 4 mg begonnen werden. Eine Dosisanpassung bei älteren Patienten ist nicht nötig. Die Kapsel sollte möglichst mit einer Mahlzeit unzerkaut mit einem Glas Wasser zur gleichen Tageszeit eingenommen werden.

Gegenanzeigen
Besteht eine Überempfindlichkeit des Patienten gegenüber dem Wirkstoff oder den sonstigen Bestandteilen (Maisstärke, Mannitol, Magnesiumstearat, Natriumdodecylsulfat, Gelatine und Titandioxid) der Kapsel, so darf Silodosin nicht zur Behandlung eingesetzt werden. Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz (CLKR < 30 ml/min) sollte es nicht angewendet werden. Die Datenlage bei eingeschränkter Leberfunktion ist nicht ausreichend, deshalb ist auch hier von einer Behandlung mit Silodosin bei BPH abzuraten.

Während einer Kataraktoperation kann ein so genanntes intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom (IFIS=(Erschlaffung der Iris) auftreten, was zu erheblichen Komplikationen führen kann. Deshalb sollte der α1A-Adrenorezeptorblocker mindestens ein bis zwei Wochen vor einer solchen OP abgesetzt oder bei geplanter Kataraktoperation vom Beginn einer Therapie mit Silodosin abgesehen werden. Außerdem kann es zu orthostatischen Nebenwirkungen kommen, die aber eher selten auftreten. Ist bekannt, dass der Patient eine orthostatische Hypotonie aufweist, sollte eine Therapie mit Silodosin nicht erfolgen.

Wechselwirkungen
Silodosin wird in hohem Maße über CYP3A4 metabolisiert und ist außerdem Substrat für P-Glykoprotein. Somit können Arzneimittel, die Inhibitoren (Clarithromycin, Erythromycin, Verapamil und Nifedipin) oder Induktoren (Johanniskraut, Dexamethason und Phenytoin) dieser Enzyme oder Transporter sind, die Konzentration von Silodosin und dessen Metaboliten im Plasma beeinflussen.

Daher sollten laut Fachinformation auch keine starken CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Itraconazol und Ritonavir gleichzeitig mit Silodosin Anwendung finden. Ausreichende Daten zur Kombination des Arzneimittels mit anderen α-Adrenorezeptorantagonisten existieren nicht. Deshalb ist vom Einsatz einer solchen Kombination abzuraten. Bei der Kombination mit PDE-5-Hemmern oder Antihypertensiva sollte der Patient auf die mögliche Nebenwirkung einer orthostatischen Hypotonie hin überwacht werden.

Schwangerschaft und Stillzeit
Da Silodosin nur zur Anwendung bei Männern bestimmt ist, ist die Auswirkung auf Schwangerschaft und Stillzeit irrelevant. Jedoch spielt hier der Aspekt der Fertilität des Mannes eine wichtige Rolle. Denn unter der Behandlung kann die Anzahl der Spermien im Ejakulat sinken. Somit kann die männliche Fertilität vorübergehend beeinträchtigt sein. Wird das Präparat abgesetzt, klingt dieser Effekt nach einigen Tagen wieder ab.

Karolin Bock, Dresden | karolin-bock@gmx.de , Quelle: Quelle: Fachinformation Urorec 8 mg Hartkapseln

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 08/2011 auf Seite 40 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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