Zertifizierte Fortbildung: Der Wirkstoff Vernakalant

Seit September 2010 ist mit Vernakalant ein neues Antiarrhythmikum zur Behandlung des Vorhofflimmerns in Europa zugelassen. Der neue Wirkstoff der zur Gruppe der ARDAs (Atrial repolarization-delaying agents) gehört, soll spezifisch am Vorhof wirken und wird intravenös eingesetzt. Er sorgt für eine rasche Wiederherstellung des Sinusrhythmus. Weiterhin dient er zur Konversion bei Patienten mit postoperativem Vorhofflimmern nach einer Herzoperation.

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Das Vorhofflimmern ist eine vorübergehende oder dauerhafte Herzrhythmusstörung mit ungeordneter Tätigkeit der Herzvorhöfe. Der neue Wirkstoff Vernakalant (Fertigarzneimittelname Brinavess® (MSD)) wird intravenös zur Kardiokonversion bei Patienten mit akutem Vorhofflimmern sowie nach herzchirurgischen Eingriffen mit Vorhofflimmern von maximal drei Tagen eingesetzt.

Unter einer Kardiokonversion versteht man die Wiederherstellung des normalen Sinusrhythmus des Herzens. Sie führt zu einer raschen Wiederherstellung eines Sinusrhythmus bei Erwachsenen, die innerhalb der letzten sieben Tage Vorhofflimmern entwickelt haben, und zur Konversion bei Patienten mit postoperativem Vorhofflimmern.

Vernakalant unterscheidet sich in der Wirkungsweise von anderen Antiarrhythmika und gehört zur Gruppe der so genannten ARDAs (Atrial repolarization-delaying agents). Es verzögert die Überleitungsgeschwindigkeit im Vorhof und verlängert die Refraktärzeit. In randomisierten, placebokontrollierten Studien wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit von Vernakalant bei Patienten mit Vorhofflimmern untersucht, und der Wirkstoff war bei Patienten mit akutem Vorhofflimmern gut wirksam und im Allgemeinen gut verträglich. Eine orale Form zur Präventions- und Erhaltungstherapie befindet sich in der Entwicklung.

Medizinische Chemie

Vernakalant gehört zur Gruppe der ARDAs (Atrial repolarization-delaying agents). Da es selektiv am Vorhof wirkt, unterscheidet es sich in der Wirkweise deutlich von anderen Antiarrhythmika. Es handelt sich um einen Multi-Ionenkanalblocker, der außer selektiv atrialen Natriumionenkanälen auch verschiedene Kaliumkanäle blockiert. Dadurch verzögert Vernakalant die Überleitungsgeschwindigkeit im Vorhof und verlängert die Refraktärzeit, wodurch der Sinusrhythmus wiederhergestellt wird.

Klinische Pharmakologie

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Pharmakokinetik
Nach zehnminütiger Infusionsdauer verteilt sich Vernakalant schnell und extensiv im Organismus, wobei die maximale Plasmakonzentration in einem Dosisbereich von 0,1 bis 5,0 mg/kg KG linear steigt. Der mediane maximale Plasmaspiegel Cmax liegt bei 4245 ng/ml nach einer 3 mg/kg KG-Infusion und 5200 ng/m nach gegebenenfalls einer zweiten Infusion von 2 mg/kg KG, 15 Minuten nach Ende der ersten Infusion. Die Proteinbindung von Vernakalant ist nicht sehr hoch. Etwa 57 Prozent liegen bei therapeutischen Konzentrationen ungebunden vor, was die Gefahr einer Verdrängung von anderen Wirkstoffen aus der Proteinbindung erheblich mindert. Vernakalant wird rasch durch das Leberenzym CYP2D6 metabolisiert und nach Glukuronidierung zu einem weitgehend inaktiven Metaboliten verstoffwechselt.

Die Eliminationshalbwertszeit t1/2 beträgt etwa zwei bis drei Stunden bzw. sechs bis acht Stunden für CYP2D6-„poor metabolizers“. Die Exkretion erfolgt zu 90 Prozent renal und zu sieben Prozent über die Fäzes. Die Pharmakokinetik von intravenösem Vernakalant wird durch Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft, Nieren- und Leberfunktion sowie eine bestehende Herzinsuffizienz nicht beeinflusst.

Dr. rer. nat. Sebastian Günther | guenther.sebastian@vetmed.fu-berlin.de, Quelle: M. N. Hirt, T. Eschenhagen: Vernakalant Ein neues Antiarrhythmikum zur Akutbehandlung von Vorhofflimmern, Dtsch. Med. Wochenschr. 2010, DOI 10.1055/s-0030-1253686; Vernakalant: Information der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ); Fachinformation Brinavess®

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