Sortimente: Gefährdung durch Zeckenstiche
Das Thema Zecken bietet ein gutes Beispiel dafür, wie Apotheken sich durch Fachwissen bei ihren Kunden profilieren können. Denn „Information“ ist hier eines der wichtigen Stichworte: die Kunden darüber zu informieren, welche Maßnahmen ein Zeckenstich erfordert, welche Gefährdung er bedeuten kann und natürlich auch, welche Schutzmaßnahmen die Kunden letztlich ergreifen können.
Den Begriff „Zecken-Alarm“ hat vor einigen Jahren die Online-Seite einer großen Boulevardzeitung ins Netz gestellt. Und damit, vermutlich ungewollt, formuliert, worum es eigentlich geht: Wer Panik schürt, drängt sachliche Information in den Hintergrund.
Die Apotheke kann in den kommenden Wochen zeigen, dass es auch anders möglich ist – indem sie fundierte Beratung anbietet und nicht zuletzt verunsicherten Kunden durch eine Fülle von sachlichen Informationen und praxisnahen Tipps zeigt, was sie selbst im Hinblick auf die Spinnentiere tun können.
Wesentliche Zielgruppe sind hier vor allem jene Menschen, die ihre Freizeit häufig in der Natur verbringen oder dort ihren Arbeitsplatz haben, aber auch Reisende, die sich im Urlaub viel draußen aufhalten werden oder FSME-Risikogebiete aufsuchen. Sie haben durchaus ein Risiko, von einer Zecke gestochen zu werden – und dies möglicherweise mit gravierenden Folgen.
Nicht jeder Zeckenstich sollte Panik erzeugen
Für den Menschen relevant und in Deutschland weit verbreitet, ist der gemeine Holzbock (Gattung Ixodes, in Mitteleuropa Ixodes ricinus). Er überträgt bakterielle Krankheitserreger wie Borrelien (Borrelia spec.) oder Rickettsien (Anaplasma phagozytophyllium) und Viren wie das FSME-Virus.
Allerdings sehen Fachleute keinen Grund dafür, bei einem Zeckenstich gleich in Panik zu verfallen, da nur ein Teil der Zecken (zwischen fünf und 35 Prozent) mit Borrelien infiziert seien und zudem auch die Ansteckungsgefahr für FSME je nach FSME-Durchseuchung der Zecken nach einem Stich mit einem Wert von
1:10 000 bis 1:300 angegeben wird.
Dennoch, so heißt es weiter, solle die Gefahr, die vom FSME-Virus ausgehe, nicht leichtfertig abgetan werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher FSME-Impfungen für alle Menschen, die sich beruflich oder auch in ihrer Freizeit in FSME-Risikogebieten aufhalten.
Aus diesem Grund werden Apothekenmitarbeiter in den kommenden Wochen sowohl das Thema FSME-Impfung ansprechen wie auch den Hinweis auf die charakteristischen Symptome einer Borreliose, die es nach einem Zeckenstich zu beobachten gilt.
Im Fall einer Infektion tritt bei 80 bis 90 Prozent der Patienten kurz nach dem Stich ein charakteristischer lokaler Hautausschlag auf (Erythema migrans, Wanderröte). Gelegentlich bemerken die Betroffenen wenige Tage bis Wochen später auch grippeähnliche Krankheitszeichen wie Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen sowie Fieber.
Die Beratung ergänzen Hinweise zum Schutz vor Zecken (geschlossene Kleidung, Arme und Beine bedeckt, Anwendung von Repellenzien mit regelmäßig wiederholtem Auftragen) sowie Tipps, wie sich eine Zecke am besten entfernen lässt – zusammen mit einer Anleitung zum richtigen Gebrauch von Zeckenkarten, -schlingen oder -zangen.
Last but not least sorgen klassische Marketingmaßnahmen dafür, dass das Beratungsangebot der Apotheke auch bei ihren Kunden ankommt. Dazu gehört eine Schaufensterdeko rund um das Thema Zecken ebenso wie Plakate in der Offizin oder an der Eingangstür. Das Gespräch wiederum ergänzt Info-Material wie Broschüren oder Handzettel.
Gabi Kannamüller | am-redaktion@springer.com
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 03/2011 auf Seite 26 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
