Sechsjährigen verschlägt es die Sprache

(kib) Neue Kinderkrankheiten sind auf dem Vormarsch - vor allem Sprachstörungen. Nach aktuellen Zahlen der Barmer GEK kann jedes dritte sechsjährige Kind nicht richtig sprechen. Immer häufiger sind auch ADHS und Neurodermitis. Die Kinderärzte fordern verpflichtende U-Untersuchungen.

(c) shutterstock.com

Bei etwa jedem dritten Kind im Vorschulalter ist die Sprachentwicklung gestört. Bundesweit sind das 1,1 Millionen Kinder. Zwischen Mädchen und Jungen gibt es dabei Unterschiede. Im sechsten Lebensjahr haben rund 38 Prozent der Jungen eine Sprechstörung. Bei den gleichaltrigen Mädchen sind es dagegen nur 30 Prozent. Das geht aus dem Arztreport der Barmer GEK hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Nicht jedes Kind sieht zudem jedes Jahr einen Kinderarzt - hier gibt es in der Versorgung deutliche regionale Unterschiede. In Mecklenburg-Vorpommern hatten 16 Prozent der Kinder im vergangenen Jahr keinen Kontakt zu einem Kinderarzt. Zum Vergleich: In den Stadtstaaten Bremen, Berlin und Hamburg sind es bis zu fünf Prozent der Kinder, die keinen Kinderarzt gesehen haben. Versorgungslücken sieht der Barmer GEK-Vize Rolf Schlenker dennoch nicht: "Auf dem Land übernehmen andere ärztliche Fachdisziplinen die Behandlung der Kleinsten."

Die Zahlen der Barmer GEK zeigen noch weitere Ergebnisse: Dem Arztreport zufolge haben mehr als elf Prozent aller Kinder bis 14 Jahre Neurodermitis. Bei den Kindern bis zu drei Jahren sind es sogar rund 16 Prozent. Auffallend sind dabei vor allem die regionalen Unterschiede. Alle ostdeutschen Bundesländer erreichen deutliche höhere Diagnoseraten. Spitzenreiter ist Thüringen (17,1 Prozent), gefolgt von Sachsen-Anhalt (16,4 Prozent) und Sachsen (15,6 Prozent).

Ein weiterer Befund: Krankheitsbilder wie etwa ADHS nehmen zu. Mittlerweile geht jeder zehnte neunjährige Junge zu einem Neurologen oder Psychiater (9,6 Prozent). 60 Prozent davon mit der Diagnose ADHS. Zum Vergleich: Bei den neunjährigen Mädchen sind es sechs Prozent, davon rund 40 Prozent mit einer ADHS-Diagnose.

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Doch die Kasse hatte auch gute Nachrichten im Gepäck: Die klassischen Kinderkrankheiten wie Windpocken, Scharlach oder Röteln hätten die Ärzte "im Griff". "Alles in allem dürfen wir von einem ausgezeichneten Versorgungsniveau ausgehen", so Kassenvize Schlenker.

 

 

 

07.02.12

Quelle: Ärzte Zéitung

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